IM oder ICE.

Wenn es Dirk schon anspricht, muss ich mal meine Sicht als Rettungssanitäter bei der Kärntner Rettung anbringen: IM (“Im Notfall”) bzw. ICE (“In Case of Emergency”) ist eine Initiative, die jedem Handybesitzer empfiehlt einen Eintrag im Telefonbuch mit dem Titel “IM” bzw. “ICE” zu versehen, der auf die zu informierende Person bei Notfällen verweist. Braucht die Person nach einem schweren Unfall eine Blutkonserve, wird die ICE-Person telefonisch verständigt und soll Auskunft über medizinische Daten (wie Blutgruppe) Auskunft geben. Soweit das Konzept. In der Realität sieht es anders aus.

RTW = Rettungswagen; NEF = Notarzteinsatzwagen

  1. Wir verfügen (bzw. auch das NEF) über keinerlei telefonische Einrichtung am Fahrzeug. Die Kommunikation erfolgt über eine eigene Funkeinrichtung. Nur Privathandys werden von den Sanis meist mitgeführt.
  2. Im Notfall spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Telefonieren kostet Zeit.
  3. Ein Handy ist Elektronik (mit all ihren Fehlern).
  4. Die zu gewinnenden Informationen über den Patienten (Medikamenteneinnahme, Blutgruppe, etc.) stehen unverhältnismäßig in Zusammenhang mit unserer Arbeit (nur zu einem geringen Prozentsatz relevant).
  5. Aus den angeführten Punkten ergibt sich: Für unsere Arbeit (Rettungsdienst) ist die ICE-Auskunft unerheblich. Erst im Krankenhaus würde er eine Rolle spielen.
  6. Die ICE-Person ist nicht zuverlässig über ihre Position informiert bzw. weiß die Daten auswendig.
  7. 90% der Notfälle passieren in Nähe von Verwandten bzw. Bekannten, die ausreichend Informationen geben können (war bei meinem schrecklichen Unfall und bei meiner Reanimation der Fall).
  8. Bei jeder Anmeldung im Krankenhaus wird die Frage gestellt “Wer ist ihr nähester Verwandter?”. Die angegebene Person wird gespeichert und ist der Ansprechpartner. Das heißt im Krankenhaus (wo die Information der Verwandten eine Rolle spielt) ist der Patient und auch seine Ansprechperson meist gemeldet.
  9. Ob der Eintrag im deutschsprachigen Raum mit IM oder ICE erfolgen soll, ist unklar.

Disclaimer: Ich muss hinzufügen, dass dies nur meine persönliche Meinung ist und keinerlei Meinung des Rettungsdienstes wiederspiegelt. Ja, wir wurden darüber in der Ausbildung informiert und die Ausbildnerin hat uns auch die Gegenargumente aufgezählt. Mit der Aussage “für unsere Arbeit unerheblich” wurde die Diskussion geschlossen. Das Rote Kreuz selbst spricht sich jedoch für das Konzept aus. Des Weiteren mag jeder Sanitäter das Gewicht anders legen. Manche Sanitäter würden gewisse Maßnahmen nie setzen, wenn sie nicht Auskunft über Medikamenteneinnahmen verfügen. Dann gelten einige Punkte oben nicht mehr.

Was ich für viel wichtiger halte: Habt ständig einen Ausweis bei euch (idealerweise die ecard [mit der eindeutigen Versicherungsnummer]). Es gibt nichts unangenehmeres als einen Patienten, dessen Identität unklar ist und niemanden (auch Passanten), die wir über den neuen Aufenthaltsort (Krankenhaus) informieren können.

Das Rote Kreuz nennt jedoch sehr schön die Risikogruppen für die das ICE-Konzept immer sinnvoll ist:

  • Kinder und Jugendliche
  • Besucher von Großveranstaltungen
  • Reisende ins Ausland bzw. aus dem Ausland
  • Alleinstehende, ältere Menschen
  • Chronisch Kranke

Fazit: Prinzipiell ja, aber habt zuerst einen Ausweis mit. Der ist wichtiger.

IM oder ICE.

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 4

Wie oft ist der Hubschrauber dabei? (Raum Klagenfurt: C11, RK1)
Grundsätzlich nur bei Sturzgeschehen oder für Hubschrauber leichter zugänglichen Gebieten. Patienten ohne Versicherung werden bevorzugt mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht, damit der Patient unter keinen Umständen die Kosten selbst übernehmen muss (Hubschrauber ist teuer folglich prüft Versicherung den Fall genauer). Für uns Rettungssanitäter: 1mal in einem Monat wenns hoch kommt.

Erkennt man den Ausbildungsgrad / Dienstverhältnis eines RKlers an der Uniform?
Grundsätzlich nein. Die folgenden Definitionen gelten auch nur für das Rote Kreuz Kärnten (die Samariter haben standardmäßig Leuchtstreifen und die Bundesländer sind autonom): Zivildiener bekommen die normale Dienstkleidung (Parker und grauer Pullover), Notfallsanitäter bekommen ein Gelee (Oberkörperweste) und Freiwillige einen Fleece-Pullover. Die Kleidung ist jedoch auswechselbar. Abzeichen (Sterne) auf der Schulter steht allein für die KAT-Ausbildung und zeigt nur die längere Mitgliedschaft an (nicht den Ausbildungsgrad). Notärzte haben meist Leuchtstreifen und tragen die entsprechende Aufschrift “NOTARZT” am Rücken.

Gefällt es Ihnen bei der Rettung als Zivildiener?
Großteils ja. Man lernt ständig Neues und erlebt vieles. Viele Erwartungen von Kollegen kann man jedoch nicht erfüllen.

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 4

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 3

Wieviele Transporte hat das Rote Kreuz bei Tag / Nacht? (Tag = ca. 06 bis 18 Uhr)
Ca. 200-300100-150 Transporte bei Tag pro Dienststelle (20 pro Stunde). Wochenmitte und Wochenends weniger.
Ca. 20 Transporte pro Nacht. 18-24 Uhr natürlich mehr als gegen 04 Uhr.

Wieviele Wagen sind im Einsatz?
An einem normalen Wochentag rund 15 Wagen. 4 RTWs, 4-7 KTWs, 1 BT, 1-2 BKTW, 1-2 AD. Ausgenommen ist der EZD (rund 6 Wagen) und GSD.

Am Wochenende sind es 4 RTWs und 1 KTW. In der Nacht sind es nur 4 RTWs. Eventuell werden jetzt die beruflichen Mitarbeiter für einen 5. Wagen bei Nachtschichten kämpfen beginnen. Vor einigen Jahren war auch die Aufstockung von 3 auf 4 Nacht-RTWs notwendig.

Das NEF ist ständig im Dienst. Der Fahrer hat hierbei eine 12-Stunden-Schicht, während die NAs sich öftersseltener abwechseln (meist 24-Stunden-Dienste).

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 3

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 2

Ist man bei Einsätzen aufgeregt?
Ist man als RTW eingeteilt, so ist einem klar, dass man Notfälle bekommt. Da man die Indikationscodes liest, kann man sich auch darauf vorbereiten, was dich erwartet. Aufgeregt ist man natürlich, wenn unerwartete Dinge geschehen bzw. wenn man überfordert ist. Bei Einsätzen ist man also im Normalfall nicht sonderlich aufgeregt. Fährt man jedoch als KTW und bekommt plötzlich einen D-Code, wird der entsprechende Adrenalinstoß natürlich ausgeschüttet. Wichtig ist es bloß, dass man auf Patienten nicht aufgeregt wirkt. Innerlich ist man stets angespannt, wenn mehrere Personen vor Ort sind (mehr als dein Fahrer, der Patient und du) oder der Patient nicht ansprechbar ist bzw. der Zustand des Patienten kritisch ist.

Welche Ursache haben die meisten Einsätze?
Sehr schwer zu sagen. Allgemein die Spitzenreiter: Blutzuckerentgleisungen, Schwindel, Kopfverletzungen, Atemnot, Alkohol-Intoxikationen, VA Schlaganfälle, Hypertonien, Schnitt- oder Rissquetschwunden (Arbeitsunfall). Ein großer Teil der Verletzungen passiert älteren Personen.

Wieviele Stunden arbeitet man als Zivildiener bei der Rettung?
Gute 200 Stunden durchschnittlich. Jeder 6. Dienst ist eine Nachtschicht. Die knappe Hälfte sind RTWs, die gute Hälfte KTWs. Grundsätzlich ist von 12-Stunden-Schichten auszugehen (besonders bei RTWs). Die Einteilung der Schichten erfolgt jedoch durch die Dienststelle und ist daher dienststellen-spezifisch geregelt. In Klagenfurt bekommt man Dienste zwischen 6 und 12 Stunden zugewiesen.

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 2

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 1

Bei den Transporten hat man genug Zeit um mit den Patienten zu reden. Hier die FAQ (von Patienten gestellte Fragen und welche Antworten interessant sein könnten).
Anmerkung: Mit Einsätzen sind stets Blaulicht-Fahrten im Zuge des Rettungsdienstes gemeint.

Sind Sie Arzt?
Nein.

Wie ist ihre Ausbildung?
3 Wochen theoretische Grundausbildung in Cap Wörth. Dann 160 Stunden als 3. Mann am Rettungswagen (Krankentransport und Rettung). Danach Rettungssanitäter-Prüfung. Das ist der Ausbildungszyklus für jeden Rettungssanitäter.

Es gibt ja so viele schreckliche Unfälle.
Krankentransporte sind eine willkommene Abwechslung und schwere Unfälle gehen folglich in der Masse unter. Durchschnittlich hat man bei jedem RTW-Dienst nur 1 NEF-Einsatz, wobei jeder ernstere / anstrengendere Einsatz mit NA bzw. NEF erfolgt. Wirklich schlimme Sachen kommen also ganz selten vor. Vielleicht 1-2mal im gesamten Zivildienst.

Rettungssanitäter – FAQ – Teil 1