Wenn es Dirk schon anspricht, muss ich mal meine Sicht als Rettungssanitäter bei der Kärntner Rettung anbringen: IM (“Im Notfall”) bzw. ICE (“In Case of Emergency”) ist eine Initiative, die jedem Handybesitzer empfiehlt einen Eintrag im Telefonbuch mit dem Titel “IM” bzw. “ICE” zu versehen, der auf die zu informierende Person bei Notfällen verweist. Braucht die Person nach einem schweren Unfall eine Blutkonserve, wird die ICE-Person telefonisch verständigt und soll Auskunft über medizinische Daten (wie Blutgruppe) Auskunft geben. Soweit das Konzept. In der Realität sieht es anders aus.
RTW = Rettungswagen; NEF = Notarzteinsatzwagen
- Wir verfügen (bzw. auch das NEF) über keinerlei telefonische Einrichtung am Fahrzeug. Die Kommunikation erfolgt über eine eigene Funkeinrichtung. Nur Privathandys werden von den Sanis meist mitgeführt.
- Im Notfall spielt der Zeitfaktor eine entscheidende Rolle. Telefonieren kostet Zeit.
- Ein Handy ist Elektronik (mit all ihren Fehlern).
- Die zu gewinnenden Informationen über den Patienten (Medikamenteneinnahme, Blutgruppe, etc.) stehen unverhältnismäßig in Zusammenhang mit unserer Arbeit (nur zu einem geringen Prozentsatz relevant).
- Aus den angeführten Punkten ergibt sich: Für unsere Arbeit (Rettungsdienst) ist die ICE-Auskunft unerheblich. Erst im Krankenhaus würde er eine Rolle spielen.
- Die ICE-Person ist nicht zuverlässig über ihre Position informiert bzw. weiß die Daten auswendig.
- 90% der Notfälle passieren in Nähe von Verwandten bzw. Bekannten, die ausreichend Informationen geben können (war bei meinem schrecklichen Unfall und bei meiner Reanimation der Fall).
- Bei jeder Anmeldung im Krankenhaus wird die Frage gestellt “Wer ist ihr nähester Verwandter?”. Die angegebene Person wird gespeichert und ist der Ansprechpartner. Das heißt im Krankenhaus (wo die Information der Verwandten eine Rolle spielt) ist der Patient und auch seine Ansprechperson meist gemeldet.
- Ob der Eintrag im deutschsprachigen Raum mit IM oder ICE erfolgen soll, ist unklar.
Disclaimer: Ich muss hinzufügen, dass dies nur meine persönliche Meinung ist und keinerlei Meinung des Rettungsdienstes wiederspiegelt. Ja, wir wurden darüber in der Ausbildung informiert und die Ausbildnerin hat uns auch die Gegenargumente aufgezählt. Mit der Aussage “für unsere Arbeit unerheblich” wurde die Diskussion geschlossen. Das Rote Kreuz selbst spricht sich jedoch für das Konzept aus. Des Weiteren mag jeder Sanitäter das Gewicht anders legen. Manche Sanitäter würden gewisse Maßnahmen nie setzen, wenn sie nicht Auskunft über Medikamenteneinnahmen verfügen. Dann gelten einige Punkte oben nicht mehr.
Was ich für viel wichtiger halte: Habt ständig einen Ausweis bei euch (idealerweise die ecard [mit der eindeutigen Versicherungsnummer]). Es gibt nichts unangenehmeres als einen Patienten, dessen Identität unklar ist und niemanden (auch Passanten), die wir über den neuen Aufenthaltsort (Krankenhaus) informieren können.
Das Rote Kreuz nennt jedoch sehr schön die Risikogruppen für die das ICE-Konzept immer sinnvoll ist:
- Kinder und Jugendliche
- Besucher von Großveranstaltungen
- Reisende ins Ausland bzw. aus dem Ausland
- Alleinstehende, ältere Menschen
- Chronisch Kranke
Fazit: Prinzipiell ja, aber habt zuerst einen Ausweis mit. Der ist wichtiger.
Grundsätzlich Stimme ich dir zu.