Wenn man 144 wählt…

Für jeden den es interessiert: Was passiert, wenn man einen Notruf absetzt?

Auf Anraten eines ehemaligen Mitarbeiters ist dieser Beitrag zensiert, da er unter das Berufsgeheimnis fällt. Mein persönliches Statement: Solange wir keine Transparenz schaffen, werden wir weiterhin Monopole, security by obscurity und Feedbacklosigkeit fördern und verkörpern. Meiner Meinung nach der falsche Weg in die Zukunft.

Wenn man 144 wählt…

Wir könnten nicht ohne…

Auf der Dienststelle jetzt groß ausgehängt, ist der Artikel aus dem Standard vom 01. August 2010. Gelb markiert ist der erste Satz:

“Natürlich ginge es auch ohne Freiwillige. Aber im Rettungsdienst sind 50 Prozent der Beteiligten Freiwillige, und wir sind der Meinung, dass das auch weiter so sein soll”.

Drunter steht der Satz “Wie bitte” gefolgt von drei Fragezeichen (Wortlaut ist zumindest ähnlich) und unterzeichnet vom Bezirkstellenleiter. Weiters folgt die Frage “Oder wie seht ihr das?”. Meine Sichtweise:

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber wenn ich (als ehrenamtlicher Mitarbeiter) höre, dass der Betrieb ohne uns/mich nicht funktionieren kann, stimmt mich das höchst depressiv / nachdenklich. Ich setze mich einmal in der Woche in den Rettungswagen und führe kranke Leute durch die Gegend (manchmal auch ins Krankenhaus). Etwa 3mal die Woche werde ich angerufen, ob ich diesen und jenen Dienst übernehmen könnte. Während mein beruflicher Kollege mit etwa 100 Euro aus der 12-Stunden-Schicht austritt, verzichte ich darauf und gebe mich mit 2 symbolischen Euros zufrieden. Das ist natürlich nicht der Kritikpunkt, sonst hätte ich mich nicht der Freiwilligkeit verpflichtet. Sondern es stimmt mich nachdenklich, dass ich infrage stellen muss, wie dieser “Konzern” arbeitet. Ich setze mich ins Auto, um den Konzern zu unterstützen. Ich hoffe durch die ersparten 98 Euro kann die Kassa etwas aufgebessert werden und Geld für neue medizinische Geräte bereitgestellt werden oder Erste-Hilfe-Kurse wieder gratis angeboten werden. Ich erhoffe mir dadurch dem Konzern unter die Arme zu greifen und ihm die wirtschaftliche Last zu nehmen, um seine 7 Ideale verwirklichen zu können (die im Gegensatz zum wirtschaftlichen Kapitalismus stehen nach dem er arbeiten muss). Doch was muss ich hören? Gäbe es uns freiwillige Mitarbeiter nicht, gäbe es den Konzern gar nicht. Es ist so als wären die 98 Euro fix für das geringe Gehalt von dem Zivildiener verplant, der rechtlich fragwürdige Arbeit leisten muss. Dies stimmt mich höchst nachdenklich. Welch wirtschaftlich ineffiziente Arbeit ist noch akzeptabel? Wie weit darf Geld veruntreuut werden? Wohin fließt das Geld der Krankenkassen? Wenn dem Dargelegtem wirklich so ist, dann sehe ich meine Position als widersprüchlich mit den Idealen selbst und kann diese nicht mehr im Sinne der Gemeinschaft vertreten.

Stellt euch vor Software und Betriebsysteme könnten nur dadurch bereitgestellt werden, dass jeder Programmierer für die Freiwilligkeit programmiert. Für Outsider sei gesagt, dass es im Sinne der freien Softwarelizenz-Modelle zum Vielfachen passiert (Linux hat diesen Hype damals groß ausgelöst). Programmierer schreiben Code um sich fortzubilden, die technischen Entwicklungen voranzutreiben und durch die Eigenwerbung auch eventuell auf eine Arbeit sehen zu können. Die Software selbst bildet nur ein Abfallprodukt von diesem Prozess. Analog ist es mit der Freiwilligkeit beim RK: Ich arbeite freiwillig, um mich fortzubilden, unser Gesundheitssystem zu unterstützen und eventuell bekomme ich auch einmal eine Arbeitsmöglichkeit bei Bedarf. Wenn jedoch “das Abfallprodukt” schamlos ausgenutzt wird und der Entwickler / Arbeiter selbst in den Hintergrund tritt, bleibt es einem in der Softwareentwicklung nur übrig das Lizenzmodell zu wechseln und im RL aus dem Konzern auszutreten. Ja, tut mir leid alte hierarchisch strukturierten Großkonzerne, dass es sich hierbei um “neue” Gesellschaftsmodelle handelt, die ihr scheinbar noch nicht versteht und auszubeuten versucht. Aber auf Dauer werdet ihr es auch verstehen, dass wirtschaftlichen Diskrepanzen begegnet werden muss. In der Softwareindustrie scheint mir der Prozess schon (natürlich bedingt) weit entwickelt zu sein. In der realen Welt sehe ich noch große Defizite. Ich stelle in Frage, ob diese 80er-retro-apokalyptische Vorstellung “die virtuelle Welt wird kollabieren” nicht in ihrem Gegenteil (reale Welt) auftreten wird (im wirtschaftlichen Bereich).

Übrigens sehe ich diesen Blogeintrag nicht im Widerspruch mit der neuen Social Media Policy des RKs. Ich bin wohl “durch die Feedbackkanäle auf alle verschiedenen Anspruchsgruppen unserer Organisation” eingegangen, doch dieser Blogeintrag untersteht wohl keinem “Copyright” (siehe SMP). Jedoch dem Urheberrecht und der CC Attribution-ShareAlike 3.0 Austria. Tut mir leid, dass ich so viele versteckte Anspielungen machen musste, doch wer sich Gedanken über Wirtschaft und unseren Lebensstil gemacht hat, wird diese Probleme sehen und auch die erwähnten Lösungsansätze neugierig verfolgen. 90% der freiwilligen Mitarbeiter hören es wohl gerne, dass sie “unersetzbar” für den Konzern sind. Tut mir leid, dass ich wieder aus der Masse heraussteche.

Siehe auch: Zivildienst – mein Erlebnis (PDF)

Wir könnten nicht ohne…

Gleichberechtigung

Hihi… im Zivildienstgesetz (Sektion “Sprachliche Gleichbehandlung” ZDG von 1986 angepasst 2009 § 76e) steht dass “Bezeichnungen nur in männlicher Form angeführt sind, beziehen sie sich, soweit dies inhaltlich in Betracht kommt, auf Frauen und Männer in gleicher Weise” ^^

Update: Ups, der Paragraph wurde 2005 angepasst. Eventuell gilt trotzdem der oben zitierte Paragraph, da das Dokument 2009 angepasst wurde. Egal welcher Paragraph gilt: Die zitierte Stelle bleibt sowieso gleich.

Gleichberechtigung

Letzter Zivi-Dienst

Heute, 16.04.2010, war mein letzter Dienst. Heute durfte ich noch einmal mit einem langjährigen Fahrer fahren, mit dem ich den 3. Dienst hatte, mit dem ich als Einziges BKTW gefahren bin, der erste Fahrer mit dem ich reanimiert habe und der Fahrer der Sylvesternacht (viel erlebt mit ihm). Mit heute, den 12 Tagen Urlaubsanspruch und 2 (dienstfreien) Sonntagen komme ich auf 14 freie Tage und damit auf den Tag (30. April), der mein offizielle Zivildienstende darstellt.

Was war?

  • Ich habe die Gewissensklausel unterschrieben
  • Ich bin ausgebildeter Rettungssanitäter und konnte diese Ausbildung im Zuge meiner Tätigkeit wirklich nutzen und ausüben. Damit war ich ein Zivi unter ca. 30 Zivis auf der Dienststelle.
  • Ich bin nur KTW (Krankentransporte) und RTW (Rettungstransporte) als Beifahrer gefahren. Gegenüber anderen Zivis hatte ich keine BKTW-Dienste
  • Richtige Zivi-Dienstauswertung fehlt noch
  • Ich hatte jedenfalls 154 RKT-Dienste (ohne Ausbildung) in den 9 Monaten und mind. 1600 Patienten im Wagen.

Was habe ich gelernt?

  • Grundlagen der Notfallmedizin
  • Der Umgang mit Notfallsituationen und die Zusammenarbeit mit professionellen Einsatzkräften
  • Einblick in das österreichische Gesundheitssystem
  • Rechtliches *suckt*

Was war richtig nett?

  • 97% der Kollegen
  • Die regelmäßige Arbeit und der fixe Arbeitsplatz
  • Der Respekt der Leute gegenüber Einsatzkräften
  • Das Streben nach Verbesserungen und das zuverlässige Arbeiten
  • Das Reden und Mitfühlen mit Dauerpatienten
  • Balankaspielen ein bisschen gelernt
  • Ich hatte den Großteil der Zivizeit den besten Dienstführer, den man sich vorstellen kann. Danke!

Was war richtig mies?

  • Die miese Ausbildung und der Beginn, bis man sich in die Materie eingelebt hat
  • Die ungesetzlich vielen Arbeitsstunden pro Monat
  • Manche Einsätze und inkompetentes Personal

Habe ich was geleistet?
Ja, mehr als der Durchschnittszivi. Habe weder den radikalen Weg des Perfektionisten, noch den Weg des Zuwenigverdieners eingeschlagen. Stets einen guten Mittelweg gefunden und sehr viel gearbeitet.

Letzter Zivi-Dienst

FM4: “Sonderfahrt nach Köln” oder “Zivildienst beim Roten Kreuz”

FM4-Archive: Sonderfahrt nach Köln

Wer selbst Sanitäter ist, wird diese Aufzeichnung genial finden. Die zwei Schauspieler spielen super die klassischen Situationen eines Krankentransports. Wer sich nichts darunter vorstellen kann: zB

  • Zivildienst != Bundesheer. “Ah, sind sie freiwillig beim Roten Kreuz?” “Nein, ich bin Zivildiener und der Fahrer ist beruflich beschäftigt” “Achso, Zivildienst. Also sind sie beim Bundesheer?!” “Nein, ich bin beim Zivildienst”
  • Doppeltes Fragen: Das Einholen von Informationen zweimal beim Patienten: zB der Fahrer übernimmt die Koordinationsrolle im Team und erfährt am Abholort, dass der Patientin nicht schlecht ist. Sagt es aber nicht dem Sanitäter weiter, der sich medizinisch um den Patienten kümmern muss. Der Sanitäter sitzt dann alleine im Patientenraum mit dem Patienten im Auto und weiß nichts von des Fahrers Frage. Der Sanitäter stellt die selbe Frage nochmals.
  • Die Geduld eines Zivildieners: Während der berufliche Fahrer von den ständig gleichen Fragen / Antworten / Aussagen schon eher genervt ist, bleibt der Zivildiener aufmerksam, ruhig und hört zu. Dazu zählt zB der Familienbaum des Patienten oder Kriegsgeschichten.
  • Mehrfachfragen helfen gegen Demenz: “Sind Sie nicht hungrig?” “Nein…” “Wollen Sie nichts essen?” “Naja, vielleicht doch ein bissl was…”

FM4: “Sonderfahrt nach Köln” oder “Zivildienst beim Roten Kreuz”

Highlight aus einer Nachtschicht

Ein Highlight aus einer Nachtschicht vor kurzer Zeit. Ist den Kollegen passiert: 31E00 (Patient in Lebensgefahr oder bereits verstorben). Kollegen bereiten sich auf eine Reanimation vor. Gehen hinein und treffen auf die Frau des Patienten (Pensionistin, versteht sich). Ja, ihr Mann ist den Balkon hinuntergestürzt. Kollegen gehen suchen und suchen. Sie finden keinen Patienten. Zurück in der Wohnung bei der Frau findet der Kollege einen Totenschein. Der Ehemann ist seit 10 Jahren verstorben (und begraben) *fail*

Highlight aus einer Nachtschicht

Basic-NAW

Yeah, Fernfahrt nach Zell am See mit einem Patienten aus der Psychiatrie. Als Begleitung mit dabei war ein Notarzt (Arztbegleitung) und NFS (Sanitätskraftfahrer). Und das ganze auch noch in keinem Hochdach, sondern Basic. Notfallkoffer haben wir noch extra mitgenommen und der Doktor hatte jederzeit ein Dormicum griffbereit in der Brusttasche. Ein Basic-NAW sozusagen 😉

PS: War ein privater Transport und die Arztbegleitung kostet (wie wir herausgefunden haben) 90€ pro Stunde. Der Arzt war jedoch auf Wunsch des Patienten. Der Transport dauert gut 3 Stunden. 270€ kostet alleine der Arzt. Das Kilometergeld (knapp 500km) erwähne ich besser nicht.

Basic-NAW