% interpretation.tex
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% HowTo write interpretation for school lectures
% Version: 2.0
%
% Copyleft 2009, Lukas Prokop

\documentclass[11pt,a4paper]{scrartcl}

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\author{Lukas Prokop}
\title{Betriebsanleitung für Interpretationen}
\date{\today}

\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents
\pagebreak

\section{Definition}

Interpretation ist das Nomen von ''interpretieren''. Und beim Interpretieren
versucht man den Inhalt zu einer Moral zusammenzufassen bzw. den Hintergedanken
des Autors aus dem Thema zu analysieren. Dies bildet eine klassische Schulaufgabe
und als Resultat aus dieser Analyse sollte man eine Interpretation \"uber ein
Werk schreiben (also die Analyse zu einem Text formulieren).

\section{Die Vorarbeit}

Einfach loszulegen, funktioniert wohl nicht. In der Literatur versucht man
Werke zu klassifizieren und nach bestimmten Kriterien zu sortieren. Bei der
Interpretation werden all diese Merkmale besprochen und dazu m\"ussen wir
diese Kriterien zuerst kennen lernen, dann das Werk danach untersuchen
und letztendlich diese Notizen zu einem Text zusammenf\"uhren. Ein bisschen
Vorarbeit muss geleistet werden.

\section{Die Merkmale}

\subsection{Inhaltsangabe}

\begin{itemize}
  \item Notiere dir das zentrale Thema (bzw. Themen)
  \item Notiere dir die Hauptcharaktere
  \item Fasse den Inhalt in ein paar S\"atzen zusammen
\end{itemize}

Wichtig ist, dass der Inhalt nicht zentrales Thema der Interpretation ist.
Beschr\"anke dich also bei der Wortanzahl auf etwa 5-10\% der Gesamtl\"ange
der Interpretation.

\subsection{Der Autor}

\begin{itemize}
  \item Notiere dir den Namen
  \item Notiere dir das Geburts- und Sterbedatum
  \item Notiere dir seine Hauptaktivit\"atsgebiete 
        (zB Anekdoten, Erz\"ahlungen aus dem 2. WK)
\end{itemize}

Du solltest dir selbst dar\"uber klar werden unter welchen Umst\"anden der
Autor geschrieben hat. Was er damit ausdr\"ucken wollte und was ihn dazu
bewegte eine Nachricht nach au"sen zu tragen. Kein Mensch ver\"offentlicht
Werke ohne dabei einen Hintergedanken zu f\"uhren; einen Gedanken, den er
teilen m\"ochte.

\subsection{Literaturgeschichte}

\begin{itemize}
  \item Finde heraus welcher Epoche das Werk zuzuordnen ist
  \item Beschreibe die Epoche (Merkmale, Motivation, 
        Regionale Zuordnung, politische Situation) (siehe PDF Epochenbeschreibung)
  \item Finde heraus welcher Textsorte (zB Roman, Erz\"ahlung, 
        Novelle) das Werk zuzuordnen ist
\end{itemize}

\subsection{Einleitung}

\begin{itemize}
  \item Finde Zitate zum Werk, zum Autor oder vom Autor zum Werk
  \item Untersuche das Werk auf literaturgeschichtliche Merkmale und Gegens\"atze
%  \item Notiere dir Stichworte zum Thema und verbinde sie mit dem Leben des Autors
%        oder der Hauptcharaktere (bestehen Verbindungen?)
  \item Notiere deine Gedanken zum Titel (Verbindungen zum Autor, Hauptcharakter)
  \item Notiere Stichw\"orter deines pers\"onlichen Zugangs zum Thema
\end{itemize}

Als Einleitung kann man dann einen dieser Einstiege verwenden:

\begin{itemize}
  \item Einleitungssatz, der auf das Thema hinf\"uhrt
  \item Motivation des Autors (biographische Aspekte?)
  \item Literaturgeschichtliche Angaben
  \item \"Au"serungen des Autors zum Werk
  \item Zitate aus dem Werk (sofern es das zentrale Thema behandelt)
  \item Pers\"onliche Anregung, wieso das Werk empfehlenswert ist
\end{itemize}

Der Klassiker bleibt weiterhin:

\begin{quote}
 Das Drama ''Der Besuch der alten Dame'' von Friedrich D\"urrenmatt
 thematisiert die K\"auflichkeit von Gerechtigkeit. Im Jahre 1956
 entstanden, beschreibt die tragische Kom\"odie die Vorg\"ange in
 einem fiktiven Dorf G\"ullen.
\end{quote}

In zwei S\"atzen werden damit jede Menge Informationen bekannt gegeben.

\begin{itemize}
  \item Titel des Werkes (''Der Besuch der alten Dame'')
  \item Textgattung (Drama, tragische Kom\"odie)
  \item Autor (Friedrich D\"urrenmatt)
  \item zentrales Thema (K\"auflichkeit von Gerechtigkeit)
  \item Jahr der Entstehung (1956)
  \item Ort der Geschichte (fiktives Dorf G\"ullen)
\end{itemize}

Gibt es mehrere Themen, so ist es besser die Einleitung auf mehrere
S\"atze zu verteilen.

\begin{quote}
  In Peter Handkes Erz\"ahlung ''Wunschloses Ungl\"uck'' 
  wird der Versuch unternommen, einerseits den Selbstmord seiner 
  Mutter gestalterisch zu bew\"altigen und andererseits die 
  Rolle der Sprache als Kommunikationsmittel zu analysieren.
\end{quote}

\subsection{Erz\"ahlweise}

\begin{itemize}
  \item auktorial\footnote{Der Autor steht \"uber s\"amtlichen Geschehnissen
        und Figuren (1. oder 3. Person Singular)}, Ich-Erz\"ahler\footnote{Der 
	Ich-Erz\"ahler ist namenlos und berichtet aus seiner Perspektive. 
	Erzeugt Authenzit\"at (1. Person Singular)} oder personale\footnote{Im
	Zentrum steht eine Person, die beschrieben wird. Erzeugt Objektivit\"at
	und Distanz (3. Person Singular)} Perspektive?
  \item Einleitung, Hauptteil und Schluss (alle klar getrennt/vorhanden?)
  \item Wie wird der H\"ohepunkt erreicht? (Stilver\"anderung, Inhalt?)
  \item Aufbau (Erz\"ahlschritte, Vorgeschichte?, analytische 
        Technik\footnote{Die analytische Technik wird besonders bei Krimis
	angewandt. Die Tat wird vorausgenommen und der Inhalt des Buches
	besteht darin die Vorgeschichte des Verbrechens (das am Anfang 
	beschrieben wurde) aufzukl\"aren}?)
  \item In welchem Raum spielt die Handlung? Wird der Raum ausgedehnt, ist er 
        benannt und ist der Ort relevant f\"ur den Inhalt? K\"onnte sich die 
	Handlung auch woanders abspielen?
  \item Zu welcher Zeit spielt die Handlung? Kommt es zur 
        Zeitraffung\footnote{Es wird knapp \"uber ein langes Erlebnis berichtet} 
	oder Zeitdehnung\footnote{Die Handlung wird gedehnt, indem ein Erlebnis 
	ausf\"uhrlich berichtet (unverh\"altnism\"a"sig zur Relevanz)}? Oder ist 
	die Zeit durchgehend gedeckt? Wird eine Jahreszahl bzw. ein Jahrhundert 
	angegeben? Spielt sie eine Rolle?
\end{itemize}

\subsection{Verarbeitung des Themas}

\begin{itemize}
  \item Gibt es ein/mehrere zentrale Themen?
  \item Handelt es sich beim Thema um ein Klassisches? 
        (Liebe, Gut \& B\"ose, Alltagserlebnisse, \ldots)
  \item An welche Zielgruppe richtet sich das Werk?
  \item Nimmt der Titel des Werks Bezug auf das Thema?
  \item Kommt der Titel im Werk vor? Wann?
\end{itemize}

\subsection{Stil, rhetorische und strukturierende Mittel}

\begin{itemize}
  \item Wie ist der Stil des Autors gepr\"agt? Eher emotional, 
        lethargisch oder aktiv und aufgeweckt? Eher subjektiv 
	oder objektiv?
  \item Gibt es Ver\"anderungen im Stil\footnote{Stil definiert 
        sich als einheitliche Darstellungs- und Ausdrucksweise 
	des Autors} des Autors im Laufe des Werks?
  \item Ver\"andern sich die Charaktere?
  \item Findet man auff\"allige Passagen?
  \item Finden sich Auff\"alligkeiten in der Wortwahl? Schreibt 
        er im Nominalstil\footnote{Nomen dominieren; Verwendung
	zB bei Gesetzestexten oder wenn Politiker objektiv wirken
	m\"ochten} oder im Verbalstil\footnote{treffende Verben
	mit schm\"uckenden Adjektiven und Adverben}
  \item Wie sind S\"atze aufgebaut? Werden Parataxe\footnote{Hauptsatzreihung:
        ''HS, HS, HS, \ldots''} oder Hypotaxe 
	verwendet\footnote{Hauptsatz-/Gliedsatzreihung: ''HS, GS, GS, \ldots''}?
 \item Werden verst\"arkt Aussagen, Fragen oder Ausrufe verwendet? Wie
       lang sind die S\"atze? Wird Tr\"ummertechnik\footnote{Stil mit
       abgehackten S\"atzen. zB Es ist Nacht. Es ist dunkel. Es ist halb
       eins.} verwendet?
\end{itemize}

\section{Interpretation schreiben}

Gruppiere deine Notizen. Vielleicht ist eine Mind Map\footnote{Skizziervariante
bei der ein Grundwort in die Mitte geschrieben wird und alle Unterbegriffe mit
\"Asten auf der Seite dargestellt werden} f\"ur dich passend. Ich nutze gerne
die Technik, dass ich zuerst mich frage, was ich mit der Interpretation vermitteln
m\"ochte. zB k\"onnte man versuchen auch einen H\"ohepunkt in der Interpretation
zu erreichen (mit Interpretationen kann man wunderbar am Aufbau von Texten 
experimentieren). Am Anfang (Einleitung) k\"onnte man die Katze aus dem Sack lassen 
und alle Informationen verraten. Am Anfang des Hauptteils k\"onnte man den Inhalt
verraten, aber man erf\"ahrt nicht, was das Werk so interessant macht. Man berichtet
\"uber den Stil und den Aufbau und erst am Ende (Schluss) erf\"ahrt der Leser, was
das Werk von den anderen Werken abhebt. Eine Variante\ldots von vielen.

Es gibt auf jeden Fall eine Einleitung -- wo Textgattung, Titel und Autor verraten 
werden. Verwende dazu eine Variante, die ich oben erw\"ahnt habe. Auf jeden Fall
sollte der Leser merken, wieso es einen Anlass gibt, dass du schreibst und es ist
zu vermeiden, dass der Leser bereits beim ersten Satz die Lust verliert die restlichen
Seiten durchzulesen.

Wikipedia\footnote{http://de.wikipedia.org/wiki/Textinterpretation} empfiehlt es den
Text in 6 Teile zu trennen:

\begin{itemize}
  \item Einleitung mit Informationen
  \item Inhaltsangabe
  \item Interpretationshypothese (wieso du schreibst)
  \item Formale Analyse (Wortwahl, Satzbau, Stil)
  \item Interpretation (Ausweitung der Interpretationshypothese)
  \item Schluss (Bewertung)
\end{itemize}

Zum Abschluss sei noch ein kleiner Tipp gegeben: Scheu dich nicht Zitate zu verwenden.
Zitate belegen deine Aussagen und zeigen klar, was du meinst.

\section{Copyright}

Geschrieben am Tag vor meiner Deutschmatura \texttt{;-)}

\copyright\ Lukas Prokop \\
Emailware:
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 You can use this document as you'd like to. 
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\end{document}
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