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\author{Lukas Prokop}
\title{Sonatenanalyse \\ (maturaorientiert)}
\date{\today} % 090504 -- based on musikanalyse.tex
\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents

\section{Die Sonate}

Eine Sonate ist ein mehrs\"atziges Werk f\"ur ein Soloinstrument (eventuell
mit Begleitung). In der Klassik treffen wir vorwiegend auf 4-s\"atzige
Werk, wobei wir den 1. Satz betrachten; die Sonatenhauptsatzform (schnelles
Tempo). Wir werden die allgemeinen Merkmale einer Sonatenhauptsatzform
besprechen, damit wir die Grundlagen kennen, um ein Werk melodisch, harmonisch,
motivisch und strukturiell analysieren zu k\"onnen.

\section{Beispiel einer Aufgabenstellung}

\begin{quote}
  Analysieren Sie den 1. Satz der Sonate Opus 139 von Ludwig van Beethoven.
  Gehen Sie dabei nach dieser Reihenfolge vor, um alle Punkte zu erledigen:
  \begin{itemize}
    \item Erkl\"aren Sie den Grundaufbau einer Sonatenhauptsatzform
    \item Markieren Sie den Anfang und das Ende der einzelnen Teile der Formen
    \item Finden Sie alle Tonarten bzw. Modulationen (auch in der Durchf\"uhrung)
    \item Analysieren Sie die Themen und entscheiden Sie den Typus des Hauptthemas
    \item Erkl\"aren Sie die harmonischen Zusammenh\"ange zwischen den Tonarten
          und beschreiben Sie die Themen
    \item Analysieren Sie die Takte 240-248 harmonisch
  \end{itemize}
\end{quote}

\section{Der Aufbau}

Die Sonatenhauptsatzform besteht aus Exposition, Durchf\"uhrung und Reprise 
(eventuell auch Coda). In der Exposition werden 2 Themen vorstellt. Die 
Durchf\"uhrung verarbeitet diese Themen gegebenfalls und die Reprise wiederholt
die Exposition nochmals. Die Struktur erinnert also an die ABA-Form einer
3-teiligen Liedform. Die Exposition besteht aus einem Hauptthema, einer 
\"Uberleitung, einem Seitenthema und einer Schlu"sgruppe. Das Hauptthema
und die darauffolgende \"Uberleitung nennt man gemeinsam Hauptsatz. Das
Seitenthema h\"alt sich bewusst st\"arker im Hintergrund als das Hauptthema.
Die Exposition wird standardm\"a"sig wiederholt. Das Ende der Exposition
erkennt man also an einem Wiederholungszeichen.

\begin{itemize}
  \item \textbf{Exposition:} Stellt Haupt- und Seitenthema vor
  \item \textbf{Durchf\"uhrung:} Verarbeitet Themen und freie Gestaltung
  \item \textbf{Reprise:} Wiederholung der Exposition
  \item \textbf{Coda:} Unerwarteter Anhang an das Ende des 1. Satzes
\end{itemize}

\section{Harmonien}

Der erste Schritt beim Einzeichnen vor irgendwelchen Elementen sollte das
Notieren der Grundtonart sein. Wenn man sich in Moll befindet, zahlt es
sich aus den Leitton zu notieren. Ebenso sollte man sich die f\"unfte Stufe
der Tonart \"uberlegen; in Sonaten wird sie oft gebraucht. Die Sonate beginnt
im Hauptthema in der Grundtonart. Meist ist dies durch einen Dreiklang 
erkennbar. In der \"Uberleitung wird auf die n\"achste Tonart hingef\"uhrt.
Es empfiehlt sich besondere T\"one (versetzte T\"one \& Leitton) der Grundtonart
mit einer hellen Farbe zu markieren und die T\"one, die sich in der 
Seitenthema-Tonart von der Grundtonart unterscheiden, mit einer dunklen Farbe
zu markieren. Man bemerkt, dass am Anfag der \"Uberleitung noch wesentlich mehr
hell markierte T\"one vorkommen als am Schlu"s der \"Uberleitung.

Ist die Grundtonart eine Molltonart, so steht das Seitenthema auf der parallelen
Dur. Bei einer Dur, steht das Seitenthema auf der f\"unften Stufe der Grundtonart.
Es ist jedoch so, dass die \"Uberleitung nur auf die Tonart des Seitenthemas 
hinf\"uhrt. Die \"Uberleitung kann also auch alle m\"oglichen Zwischentonarten
enthalten. Man kann drei harmonische Arten von \"Uberleitungen unterscheiden:
\begin{itemize}
  \item \"Uberleitung auf der f\"unften Stufe
  \item \"Uberleitung auf der Doppeldominate\footnote{f\"unfte Stufe der f\"unften Stufe}
        oder f\"unften Stufe der parallelen Dur-Tonart (also nur in Moll)
  \item \"Uberleitung mit mehreren Zwischentonarten
\end{itemize}

Am Ende der \"Uberleitung endet der Akkord sehr gerne auf der Doppeldominante.
Das Seitenthema befindet sich dann (wie besagt) auf der f\"unften Stufe oder in der 
parallen Durtonart. Die Schlu"sgruppe hat dann meist die Tonart des Seitenthemas,
wobei dies vor allem am letzten Akkord (vor dem Wiederholungszeichen) erkannt werden
kann.

In der Durchf\"uhrung steht es dem Komponisten total frei die Harmonien zu f\"uhren.
Deshalb k\"onnen hier keine allgemeinen Regeln definiert werden. Man spricht von einer
Sequenz, wenn Themen transponiert wiederholt werden. Dies passiert gerne in der 
Durchf\"uhrung mit Haupt- und Seitenthema (dies ist also zu notieren). Es werden jedoch
vorwiegend verwandte Tonarten verwendet; also parallele Moll/Dur-Tonarten, die Tonart
der f\"unften Stufe (also mit einem Vorzeichen mehr oder weniger) oder die 
Doppeldominante. Weiter entfernen sich verwendete Tonarten meist nicht. In der Reprise
wird in der Grundtonart die Exposition wiederholt. Ist der Sonatenhauptsatzform noch
eine Coda angeh\"angt, so erkennt man diese daran, dass ein Schlu"s kommt (den man 
von der Schlu"sgruppe der Exposition kennt) der ausgebaut wird. Also jener Teil,
der am Ende des 1. Satzes vorkommt, aber nicht eine Wiederholung der Schlu"sgruppe
ist, nennt sich Coda.

Generell ist es sinnvoll zu jedem Abschnitt auch die Tonart zu schreiben.

\section{Melodische Analyse -- Die Themen}

Themen lassen sich in Motive einteilen. Motive sind kleinere Sinneinheiten und
ergeben sich dadurch, dass sich Teile der Themen wiederholen. Wir bezeichnen
ein Motiv mit einem Kleinbuchstaben und eine \"ahnliche Variation davon mit 
einem angeh\"angten, einfachen Hochstrich '. Wir unterscheiden zwei Arten
von Typen:

\begin{itemize}
  \item \textbf{Liedtyp:} Er arbeitet mit gegens\"atzlichen Motiven
        (Frage-Antwort, klarer Schluss)
  \item \textbf{Entwicklungstyp:} Er entwickelt ein Grundthema weiter aus
        (Intensivierung, offener Schluss)
\end{itemize}

Eine typische Form f\"ur den Liedtyp w\"are:
\begin{verbatim}
  a  b  a' b' a'' b'' a
\end{verbatim}
Eine typische Form f\"ur den Entwicklungstyp w\"are:
\begin{verbatim}
  a  a' b  b' a  b  c
\end{verbatim}

Der Liedtyp besitzt meist einen sehr sauberen, klaren Abschlu"s, w\"ahrend
der Entwicklungstyp fasst direkt in die \"Uberleitung weiterf\"uhren m\"ochte.
Die Motive sind in etwa 2 Takte lang und ein Thema besteht meist aus einer
Periode (8 oder 16-taktig). Markiere auch alle Passagen, wo das Thema wiederkehrt
(eventuell enth\"alt die \"Uberleitung oder Durchf\"uhrung eine Variation des 
Hauptthemas).

Vergesse nicht auch das Seitenthema zu analysieren.

\section{Beschreibung eines Themas}

Bei der Beschreibung muss man seine Phantasie etwas spielen lassen und
musikalische Elemente erkennen. Man spricht \"uber die Notenwerte, die
Zusammenh\"ange zwischen den T\"onen, den Rhythmus und die Wirkung der
T\"one. In Beethovens Sonate Op. 2 Nummer 1 k\"onnte man die Motive
des Hauptthemas wie folgt beschreiben:

\begin{quote}
  Das Thema beginnt (Auftakt) mit der Quint der Grundtonart, wobei diese 
  Quint in der Reprise weggelassen wird, denn erst der folgende Dreiklang
  (f, as, c -- f-moll -- Grundtonart) spielt f\"ur das Thema eine
  wesentliche Rolle. Der Dreiklang wird in staccato-Form aufw\"arts
  gef\"uhrt und wirkt dadurch deutlich, heroisch und in den Himmel
  deutend. Das Thema wird am Anfang noch nicht begleitet (einstimmig).

  Im zweiten Motiv entfernt sich der Komponist vom staccato-Stil und
  schreibt eine punktierte Viertel. Diese kann jedoch genauso gut als
  halbe Note interpretiert werden, da die Triole blo"s eine Verzierung
  -- hinweisend auf das f -- ist. Als Begleitung haben wir in diesem
  Moment Akkorde in der Grundtonart.
  
  Die darauf folgenden Motive a' und b' sind Variationen von a und b.
  Es handelt sich um eine Sequenz; also eine Wiederholung des Motivs
  in einer anderen Stufe. Da diese Wiederholung auf der f\"unften
  Stufe stattfindet, befinden sich die Motive vermehrt in h\"oheren
  Tonlagen und es wird eine Intensivierung bzw. \"Offnung des
  urspr\"unglichen Motivs erreicht, die kennzeichnend f\"ur einen
  Entwicklungstyp ist.

  In Takt 6 ist in der Aufnahme ein ritartando wahrzunehmen. Das
  Thema wird auf der f\"unften Stufe (also einem Halbschlu\"s
  beendet). Der offene Schlu"s ist wiederum ein Merkmal des
  Entwicklungstyps.
\end{quote}

Noten, die auf Gegenschlag gespielt werden, hei"sen \"ubrigens Synkopen
(''synkopische Elemente'').

\section{Harmonische Analyse}

Bei der harmonischen Analyse m\"ussen wir die Stufe jedes Akkordes erkennen.
Zuerst ist es wichtig, dass wir wissen in welcher Tonart wir gerade sind.
Danach ermitteln wir die T\"one des Akkordes. Dabei sind vor allem die betonten
Noten wichtig -- andere k\"onnten Durchgangst\"one sein. Haben wir den Akkord
ermitteln, berechnen wir die Differenz zur Grundtonart. Diese Differenz (= Stufe)
notieren wir unterhalb dieser Noten. Wenn wir ernsthafte Probleme beim Erkennen
der Tonart haben, so ist ein Ton scheinbar ein harmoniefremder bzw. alterierter
Ton.

Ist keine harmonische Analyse verpflichtend angegeben, so ist sie zumindest bei
jedem Ende der Teile der Form sinnvoll zu machen.

\section{ToDo-Liste}

\begin{enumerate}
  \item Grundtonart und Leitton notieren
  \item Beim H\"oren der Aufnahme auf Modulationen und Themen\"anderungen achten
  \item Einzeichnen der Grundstruktur (Exposition, Durchf\"uhrung, Reprise) 
        (Haupt- \& Seitenthema, \"Uberleitung)
  \item Tonarten der Themen eintragen
  \item Tonart(en) der \"Uberleitung notieren
  \item Einteilen der Themen (!) in Motive
  \item Entwicklungs- oder Liedtyp?
  \item Notieren aller Wiedervorkommen des Haupt-/Seitenthemas
  \item Kennzeichne die T\"one, die auf eine neue Tonart hinweisen
  \item Kennzeichne die f\"unften Stufen, die auf einen neuen Teil hinweisen
  \item Notiere Sequenzen und \textit{Entwicklungen} aus einem Thema
  \item Erkl\"are die Zusammenh\"ange zwischen den Tonarten (kurz)
  \item Erkl\"are die Motive der beiden (!) Themen ausf\"uhrlich
\end{enumerate}

\end{document}
% EOF

