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\author{Lukas Prokop}
\title{Allgemeine Philosophie \\ und \\ Sokrates: Leben und Werk}
\date{2. November 2008}
% update at 090502 0213 sokratisches Gespr\"ach & Rechtschreibung

\begin{document}
\maketitle
\tableofcontents

% \chapter*{Sokrates 477-399 v.Chr.}
\section{Philosophen}
Sokrates (477-399 v.Chr.) entspricht dem genauen Bild eines Philosophen 
der damaligen Zeit. Als Philosoph (philo - Freund; soph - Wissen) strebt 
er nach Weisheit, aber grenzt sich von der Aussage ab, dass er sie besitze. 
Er macht sich allgemeine Gedanken \"uber Begriffe wie Rhetorik, Moral, 
Gerechtigkeit und das Universum. Durch ewiges Fragenstellen, Fixieren der 
Antwort st\"o"st der Philosoph immer aufs Neue auf Widerspr\"uche und 
beginnt sich wieder neue Fragen zu stellen. Im Gesamten betrachten kommen 
Philosophen selten auf eine feste Antwort. Aus diesem Grund k\"onnte man 
die Philosophie einen Prozess nennen.

\section{Entstehung der Wissenschaften}
Als 1. Philosoph kann man Thales von Milet ansehen. Er erkannte eine 
Gesetzesm\"a"sigkeit im Mondzyklus und kam zu dem Schluss, dass 
Naturerscheinungen prognostizierbar sind. Gegen\"uber dem damaligen 
Glauben ist die Welt also kein Tummelplatz f\"ur Geister und D\"amonen 
(Mythos), sondern ist ein komplexer Mechanismus, der von 
Gesetzesm\"a"sigkeiten gelenkt wird (Logos). Es ist nun Aufgabe der 
Philosophie jene Gesetze zu erkennen. Sp\"ater entwickelten sich 
eigene Bereiche (einzelne Wissenschaften) f\"ur bestimmte Themen. 
Letztendlich behalten sich aber Philosophen das Recht vor, die 
Philosophie als die allumfassende Wissenschaft zu bezeichnen. 
Treten neue Fragen (bzw. Probleme) auf, die keiner Wissenschaft 
wie Mathematik, Physik oder Chemie zuzuordnen sind, so wird sie der 
Philosophie zugewiesen. Philosophen besch\"aftigen sich also mit 
ungel\"osten Problemen, die keinem Teilgebiet zugeordnet werden 
k\"onnen. Thales wird oft als Mathematiker beschrieben. Zu seiner 
Zeit existierte die Bezeichnung jedoch gar nicht und wurde als 
''Philosoph'' zusammengefasst.

\begin{quote}
Vom Mythos zum Logos
\end{quote}

Ob jetzt alle Vorg\"ange auf der Welt Gesetzesm\"a"sigkeiten unterliegen, 
ist selbst eine philosophische Frage. Philosophen stehen unter der Kritik 
oft abseits der Realit\"at und des Nutzens zu forschen. Sie werden 
respektiert, jedoch werden sie heute als das dargestellt, was unter der 
Bezeichnung Freak zu verstehen ist. Eine bekannte Geschichte von Thales 
beschreibt dies:

\begin{quote}
Thales geht eine Stra"se entlang und philosophiert. Er schaut in den Himmel, 
w\"ahrend er geht. Pl\"otzlich steht ein Brunnen im Weg und er f\"allt hinein. 
Eine Magd hat das Geschehnis beobachtet und lacht ihn aus:
  \begin{quote}
    Philosophieren mag er ja k\"onnen, aber 
    in der Realit\"at kennt er sich nicht aus 
  \end{quote}
\end{quote}

\section{Philosoph vs. Sophist}

\begin{quote}
  Sophisten sind eine Gruppe von Intellektuellen, die sich auf das 
  erwerbm\"a"sige Philosophieren spezialisiert haben
\end{quote}

Philosophen wie Sokrates verzichteten auf das kommerzielle Interesse. Die 
Philosophie darf seiner Auffassung nach nicht missbraucht werden, um an 
Geld zu gelangen. Das Interesse sollte rein im Wissen liegen.

\begin{quote}
  Wir k\"onnten ja, wenn wir wollten 
\end{quote}

Die Sophisten verfolgen den Gedanken Geld mit der Philosophie zu verdienen. 
Sophisten sind vor allem im Bereich der Rhetorik t\"atig. Zum Beispiel im 
Gerichtssaal versuchen sie durch geschicktes (oftmals eigentlich 
unschl\"ussliges) Schlu"sfolgern den Richter von der Unwahrheit des 
Ankl\"agers (bzw. Rechtsanwalts) zu \"uberzeugen. Genauso bestand die 
Nachfrage im privaten Bereich (Liebesbeziehungen) und in der Politik 
(Wahlkampf). Man kann genauso argumentieren, dass die Philosophen durch 
den Sophismus nah an der Realit\"at blieben und die Philosophie auch 
wirtschaftlich gest\"utzt wurde. Eine Geschichte wurde \"uber Sokrates
\"uberliefert:

\begin{quote}
  An einem hei"sen Sommertag sah Sokrates die n\"achste, gute Ernte
  hervor und kaufte daraufhin alle \"Olpressen auf. Er erzielte einen 
  hohen Umsatz. Ganz seinem Ideal folgend spendete er den Gewinn 
  an die Armen
\end{quote}

Ionische Naturphilsophen suchten nach anderen als mytischen Begr\"undungen 
f\"ur die Welt. Sie nahmen sich als Erster Prinzipien an, die keiner 
Personifizierung durch G\"otter oder D\"amonen oder Geschichten mehr 
bedurften. Sie suchten nach einer einzigen Ursache nach der alles 
weitere ableitbar w\"are. Mythen bzw. der Glaube - besagen dass der 
Ursprung der Welt bei den G\"ottern liegt - soll durch eine logische 
Welterkl\"arung abgel\"ost werden. Es gab den Versuch alle Naturph\"anomene 
aus einheitlichen Prinzipien abzuleiten und zu erkl\"aren.

\begin{itemize}
  \item \textbf{Philosophie} versucht das \textit{Ganze} zu erkl\"aren
  \item \textbf{Wissenschaften} versuchen grundlegende Theorien zu erstellen
  \item \textbf{Naturwissenschaften} versuchen Theorien mit wissenschaftlichen 
      Experimenten (an der Natur) zu erstellen
\end{itemize}

\section{Einteilung der Philosophie}
\subsection{Immanuel Kant}
\begin{itemize}
\item Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie)
\item Was soll ich tun? (Moralphilosophie)
\item Was darf ich hoffen? (Religionsphilosophie)
\item Was ist der Mensch? (philosophische Antropologie)
\end{itemize}

\subsection{Allgemeine Philosophie}
\begin{itemize}
\item \textit{Erkenntnistheorie:} Was kann ich wissen? Was kann ich erkennen?
\item \textit{Ethik:} Was soll ich tun? Was ist gut?
\item \textit{Religionsphilosophie:} Was darf ich hoffen?
\item \textit{Anthropologie:} Was ist der Mensch?
\item \textit{Metaphysik, Ontologie:} Was gibt es? Was ist das Sein?
\item \textit{Sprachphilosophie:} Was ist die Bedeutung dessen, was wir sagen?
\item \textit{Wissenschaftstheorie:} Was ist Wahrheit?
\item \textit{\"Asthetik:} Was ist das Sch\"one?
\end{itemize}

\section{Philosophie und Religion}
Wir haben bereits erw\"ahnt, dass Philosophen nur sehr selten zu einem endg\"ultigen 
Ergebnis kommen. Dies ist dadurch verursacht, dass kein Beweis f\"ur die Korrektheit 
einer Aussage erbracht werden kann. Die wissenschaftlichen Methoden reichen meist 
nicht aus. Reichen sie doch aus, so kann man das Ergebnis auf einer Wissenschaft 
zuordnen und das Problem wird dorthin abgeschoben. Die Philosophie erkl\"art Fragen 
wie \textit{Was ist Gerechtigkeit?} klar f\"ur ungel\"ost. Sie legt sich nicht fest 
und ist prozessual. Die Religionen hingegen geben ein Dogma vor, dem sich der Mensch 
unterwerfen muss.

\section{Falsifikation}
Wichtig f\"ur das Philosophieren ist die Falsifikation. Gem\"a"s der 
Wissenschaftstheorie ist man auf der Suche nach der Wahrheit und die 
Falsifikation ist eine Methode um der Wahrheit n\"aher zu kommen. Sie 
besagt, dass ein Gegenbeweis erbracht werden muss, damit eine These 
gest\"urtzt werden kann. Als bekanntestes Beispiel ist Kopernikus zu 
erw\"ahnen. Seine These -- dass sich die Erde um die Sonne dreht 
(heliozentrisches Weltbild) -- galt anfangs als falsch. Er konnte 
seine These auch nicht beweisen, weshalb er von der Kirche verfolgt 
wurde und nicht mehr miterlebt, wie Galileo Galilei seine These bewies. 
Da kein Gegenbeweis erbracht werden konnte, konnte das Volk Galilei 
nicht widersprechen. Die These wurde anerkannt, da kein Beweis der
Falsifikation erbracht werden konnte.

Ein andere Beispiel:
\begin{quote}
  Ich sehe 1 wei"sen Schwan. Ich sehe zwei wei"se Schw\"ane. 
  Ich sehe drei wei"se Schw\"ane. Ich \ldots Ich komme zu der 
  These, dass es nur schwei"se Schw"ane gibt. In dem Moment in 
  dem ich einen schwarzen Schwan sehe, ist meine These 
  widerlegt bzw. falsifiziert
\end{quote}

\section{Sokrates Leben 477-399 v.Chr.}
Sokrates entstammte einfachen Verh\"altnissen. Sein Vater war ein Steinmetz 
und seine Mutter war Hebamme, was sp\"ater in der Maieutik eine wichtige 
Rolle spielen soll. Er war verheiratet mit seiner Frau Xanthippe deren 
Name in die Literaturgeschichte einging. Er steht f\"ur das z\"ankische 
Bild einer Ehefrau. Als sie wieder einmal ver\"argert war, sch\"uttete 
sie Sokrates einen Nachttopf \"uber den Kopf. Sokrates berichtete 
\"uber sie:
\begin{quote}
  Ganz, ganz b\"oses Weib 
\end{quote}

Sokrates wird die gr\"o"ste Bedeutung in der Philosophie zugewiesen. 
Durch sein Wissen \"uber das Nichtwissen verbl\"uffte er alle Athener 
seiner Zeit. Seine Bedeutung spiegelt sich auch in der Tatsache, dass 
alle Philosophen vor seiner Zeit \textit{Vorsokratiker} genannt werden.
Sokrates war gro"steils am Marktplatz anzutreffen. In Differenz zu 
seinem Sch\"uler Platon schrieb er nichts nieder und von ihm selbst 
sind keine Schriften \"uberliefert. Stattdessen sprach er mit den 
Leuten und philosophierte mit ihnen \"uber verschiedene Themen.

F\"ur seine T\"atigkeit war er auch bereit viel Zeit zu investieren 
und lie"s sich nicht aus seiner Ruhe bringen
\begin{quote}
  Als Sokrates einmal eingeladen war, fiel ihm 
  mitten auf dem Weg ein Problem ein. Er blieb 
  vor der T\"ure des Gastgebers stehen und 
  philosophierte dort 24 Stunden lang. Den 
  Gastgeber lie"s er einfach warten
\end{quote}

\section{Das sokratische Gespr\"ach}

Sokrates gibt vor der Unwissende zu sein. Er kann deshalb sein Gegen\"uber 
auch nicht belehren. Er akzeptiert die These seines Gegen\"ubers und 
hinterfragt nur diese, weil er vorgibt diese nicht wirklich zu verstehen. 
Er stellt Fragen am Anfang des Gespr\"achs auf die er am Ende noch einmal 
Bezug nimmt. Durch geschicktes Fragen setzt er seinem Gegen\"uber so lange 
zu, bis es die Schw\"ache der eigenen Argumente erkennt und einsieht; 
einsieht was recht und falsch ist. Als \textit{sokratische Ironie} wird 
die eigene Erkenntnis der Unwahrheit genannt.

\section{Sokratisches Gespr\"ach von Sokrates und Lysis}

aus ''Kerngebiete Philosophie'' \\
2008 oebv Kapitel 1 Seite 18 \\
''Gespr\"ach \"uber die Freundschaft: Sokrates und Lysis''

\begin{quote}
  ''Mich interessiert leidenschaftlich, was Freundschaft ist. Mein lieber Lysis
   sag mir, wer wird vom anderen ein Freund genannt, der Liebende vom Geliebten 
   oder der Geliebte vom Liebenden?''

  ''Sokrates, das macht doch keinen Unterschied. Dar\"uber habe ich noch nicht
   nachgedacht.''

  ''Denk nach. Kann man von Freundschaft sprechen, wenn nur einer liebt und der
   andere geliebt wird?''

  ''Ich glaube, beide m\"ussen einander lieben, um von Freundschaft sprechen zu
   k\"onnen.''

  ''\"Uberlege Folgendes. Ich wei"s, du magst Hunde. Bist du kein Hundefreund,
   wenn dich die Hunde nicht lieben?''

  ''Ich bin trotzdem ein Hundefreund, auch wenn mich einer nicht mag. Das ist doch
   wie mit Kindern. Dich Mutter liebt das kleine Kind, unabh\"angig davon, ob
   das Kind die Mutter liebt oder hasst.''

  ''Der Liebende ist also der Freund, der Geliebte ist aber nicht Freund. Dieses
   Ergebnis ist nicht schl\"ussig. Wir m\"ussen einen anderen Weg einschlagen. Bei
   Dichtern hei"st es: Gleich und gleich gesellt sich gern.''

  ''Das ist die L\"osung: Das \"Ahnliche ist mit dem \"Ahnlichen in Freundschaft
   verbunden und n\"utzt sich.''

  ''Stimmt das wirklich? Wenn zwei b\"ose Menschen einander n\"aherkommen, umso
   feindseliger werden sie: Sie beleidigen einander, schlagen einander, etc.''

  ''Die Dichter meinen vielleicht nur die Guten.''

  ''Damit hast du vielleicht Recht. Aber wie kann sich \"Ahnliches n\"utzen?
   Nehmen wir zwei hilflose Menschen: Wie sollen die beiden einander Hilfe 
   gew\"ahren? Das \"Ahnliche ist im Zusammenhang der Freundschaft eine 
   nebens\"achliche, aber keine prim\"are Bedeutung.''

  \textit{Lysis ist ratlos.}
\end{quote}

\section{Unser sponantes sokratisches Gespr\"ach}

Leider nicht ganz originaltreu, weil es keinen klaren Sokrates gibt ;)

\begin{quote}
  L: ''Was ist der Unterschied zwischen Gut und B\"ose?''

  F: ''Dann fragen wir uns einmal, was ist gut?''

  L: ''Das, was unserer Vorstellung von Gerechtigkeit entspricht.''

  F: ''Ich w\"urde eher sagen, gut ist das, was ein Mensch denkt,
       das er als Hilfsbereitschaft empfindet \ldots oder als Hilfe
       f\"ur jemanden \ldots''

  L: ''Geht es nur um Hilfsbereitschaft?''

  F: ''Nein, eh nicht. Aber er empfindet dies als gut. Und er wird
       es tun. Deshalb empfindet er es als gut.''

  C: ''Das hei"st du verbindest gut nun mit Tun.''

  B: ''Man verbindet gut mit einem Gef\"uhl \ldots 
       Wenn man etwas macht \ldots''

  C: ''Das hei"st du kannst nicht sagen, es ist gut, wenn du nichts
       machst.''

  F: ''Wohl. Wohl auch. Solange er es verbindet \ldots das ist f\"ur 
       ihn Hilfsbereitschaft. Damit tut er (f\"ur ihn) etwas Gutes.''

  C: ''Was ist, wenn du jetzt sagst: Es ist \ldots gute Heizung? 
       Wie ist die dann hilfsbereit?''

  \textit{Gel\"achter}

  F: ''Ja, da muss man sich beeinflussen lassen. Was ist gut und nett?
       Was ist gut im Sinne von Gut und B\"ose? Das ist ja was anderes.
       Du kannst ja nicht sagen \ldots Das ist b\"ose Heizung''

  \textit{Gel\"achter}

  C: ''Das hei"st du assoziierst gut immer mit irgendwas \ldots ''

  F: ''Nein, jetzt. Wenn wir beim Thema sind, dann denkt beim Thema Gut
       und B\"ose jeder an Taten oder Gef\"uhle''

  C: ''Ok\ldots Das hei"st du verbindest gut immer mit tun?''

  F: ''Nicht immer\ldots''

  \textit{F ist ratlos.}

  L: ''Du m\"usstest eine genaue Definition von gut geben''

  F: ''Ja, dann finde einmal eine''

  L: ''Das ist ja genau mein \ldots''

  F: ''Das ist ja genau das beim Philosophieren \ldots 
      da gibt es keine genaue Definition''

  L: ''Ja, aber du kannst eine genaue Definition angeben und wir
      widerlegen sie. Andere Definition wie die eben. So stelle
      ich mir das vor.''

  F: ''Es geht ja nicht darum Definition zu legen?!''

  L: ''Naja, du hast damit angefangen.''

  H: ''Wir k\"onnten uns fragen\ldots tun, gut \ldots es geht um 
      Handlungen. Wann ist eine Handlung eine gute Handlung?''

  F: ''Das ist f\"ur mich, wenn\ldots ein Mensch dadurch das tun 
      w\"urde aus Hilfsbereitschaft. Er w\"urde es nicht tun, wenn
      es jemandem Schaden zuf\"ugt. \textbf{Seiner} Meinung nach!
      Das hei"st es kann ein Mensch sein, der schl\"agt einen anderen
      und empfindet dies als hilfsbereit. Kann sein, dass er es auch
      so gesagt hat, aber widerlege es.''

  H: ''Ein Beispiel: Ich spende 100 000 Euro in ein Kinderdorf \ldots
      ist das eine gute Handlung?''

  B: ''Wenn ich Milliad\"ar w\"are\ldots''

  H: ''Milliad\"ar\ldots ich habe genug Geld und 100 000 Euro gehen 
      sich aus''

  \textit{Alle stimmen zu}

  L: ''Nach unserem Verst\"andnis schon. Aber vielleicht kann man
      auch argumentieren, dass sich durch die 100 000 Euro die Kinder
      an die Spenden gew\"ohnen\ldots sie \"uberleben nur durch die
      Spenden. Also die Kinder sich daran gew\"ohnen, dass sie nur
      durch Spenden \"uberleben und abh\"angig werden und nicht mehr
      selbst existenzf\"ahig sind. Kann man genauso argumentieren.
      Dann sind die Grenzen von Gut und B\"ose erreicht.''

  H: ''Ok, und schon die n\"achste Frage: Was ist, wenn ich eine 
      gute Handlung mache, aber vorausgesetzt\ldots ich habe negative
      Konsequenzen. Ist das noch immer eine gute Handlung?''

  F: ''Ich stimme nicht ganz \"uberein mit L, weil ich denke die haben
      nichts. Und wenn sie was bekommen, sind sie ganz gl\"ucklich,
      dass sie etwas bekommen.''

  H: ''Ok, dann w\"urdest du sagen, es ist eine gute Handlung?''

  F: ''Ja, w\"urde ich sagen''

  H: ''Was denkst du aber jetzt zur Meinung dass zB die Handlung
      nur dazu dient, dass du Waren von der Steuer abschreiben 
      kannst oder um dir den Zugang zum \textit{Himmel} zu erkaufen?''

  C: ''Naja, dann ist es zwar eine gute Handlung, aber ein dummer
      Mensch. Wenn er glaubt er kann sich mit 100 000 Euro ans 
      Kinderdorf den Weg in den Himmel erkaufen''

  H: ''Ja, aber das macht\ldots ist das keine gute Handlung mehr?''

  B: ''Dann w\"urde es in der Zeitung stehen und \ldots''

  H: ''Genau\ldots oder wenn es in der Zeitung steht und dies Werbung
      f\"ur meine Firma ist''

  C: ''Das kostet aber wieder''

  H: ''Ja, aber das ist trotzdem eine gute Handlung?''

  F: ''Es ist immerhin besser als wenn ich das Geld nur f\"ur Bestechung 
      ausgebe, damit die Zeitung Positives \"uber meine Firma schreibt''

  C: ''Nein, es ist immer so, dass es eine gute Handlung wenn du jetzt\ldots''

  H: ''F, nein, entschuldige aber. Aber es ist immer ein Abnehmer da.
      Wie ist das jetzt mit Bestechung? Das ist nicht immer so einfach
      mit den Guten. Wenn ich jetzt zum Beispiel -- was wir da jetzt
      geh\"ort haben mit Karpfensteiner, dass die jetzt in den Osten
      expandieren. Da werden sie h\"aufig geschmiert, damit sie die 
      Auftr\"age bekommen. Das ist durch die Medien gegangen -- 
      die Leute besteche, aber dadurch wieder \ldots sagen wir f\"ur 
      100-200 Leute Arbeitspl\"atze schaffe. Bestechen ist eine 
      schlechte Handlung, aber ist das eine gute Handlung? Das hei"st 
      die bekommen durch meine schlechte Handlung neue 
      Arbeitspl\"atze''
 
  F: ''Wer sagt denn jetzt, dass bestechen schlecht ist? 
      Vielleicht ist es besser als\ldots''

  H: ''Aber bestechen grunds\"atzlich\ldots sagt man doch immer, 
      dass es etwas Schlechtes ist.''

  \textit{Warum? Nein, doch? Wieso? Chaos.}

  C: ''Bestechung ist einfach etwas, wo zwei Seiten profitieren. Die eine
      Seite profitiert davon, dass sie das Geld bekommen und die andere
      Seite profitiert davon, dass sie Auftr\"age bekommen''

  B: ''Aber der Mensch, der das macht, hat den Grundgedanken, dass er
      die Leute besticht und was er dann weiters macht und denkt, 
      interessiert einen doch gar nicht. Es ist nur die positive Folge''

  C: ''Warum?! Es ist einfach eine Handlung\ldots''

  B: ''Eine Handlung, die aber nur f\"ur die eigenen Vorteile 
      gebraucht wird. Dass die Folge positiv ist, ist ihm eigentlich
      egal. Reiner Zufall.''

  L: ''Er macht es nur f\"ur sich selbst.''

  F: ''Warum ist es Zufall?''

  \textit{Warum? Nein, doch? Wieso? Chaos.}

  B: ''Der Grundgedanke ist ja, dass er etwas bekommt\ldots''

  H: ''Moment, wir m\"ussen uns auf Beispiele beziehen. Wenn wir in
      die Medien schauen, dann werden dort Bestechungen kritisch
      betrachtet auch wenn sie positive Folgen h\"atten. Bestechungen
      sind an sich etwas Schlechtes. Aber man sich das jetzt so 
      \"uberlegen. Wie ist das jetzt? Auf der einen Seite sagt man,
      der Mensch spendet 100 000 Euro -- ein guter Mensch, aber auf
      der anderen Seite kommt die Bestechung heraus -- uch, ein 
      Wahnsinn wie der arbeitet. Aber die Motivation ist auf der einen
      Seite nur nur von der Steuer abzuschreiben, aber auf der anderen
      Seite k\"onnte es sein, dass er doppelt so vielen Leuten einen
      Arbeitsplatz verschafft.''

  B: ''F\"ur mich z\"ahlt der Grundgedanke und nicht die zuf\"allige
      Folge.''

  C: ''Warum zuf\"allig? Wenn du wirklich bestichst, dann gibst du
      ja 100 000 Euro her und glaubst damit passiert etwas zuf\"allig?!''

  B: ''Ja, bestechen. Stelle dir einmal vor\ldots''

  F: ''Der Grundgedanke\ldots''

  B: ''Du bestichst ja nicht, damit die Leute einen Arbeitsplatz bekommen.''

  F: ''Der Grundgedanke ist ja, dass es einfacher f\"ur sie ist, wenn
      du bestichst. Der hat ja nicht so viele Probleme, sage ich mal.
      Wenn die Mafia die Polizei besticht, ist es damit sie Einbr\"uche
      oder Schmuggeln k\"onnen ohne dass die Polizei verfolgt.''

  B: ''Juhuu! Bestechen ist so super\ldots''

  F: ''Nein, aber f\"ur die Mafia ist wieder etwas Gutes k\"onnte 
      man sagen''

  B: ''Bestechen ist alleine schon vom Wort her, von der Definition her
      schlecht.''

  C: ''Nein, das kannst du nicht sagen. Was ist, wenn du jetzt\ldots
      sagen wir Mateschitz -- der RedBull gegr\"undet hat -- hat ein
      Bestechungsgeld angenommen -- von irgendeiner Firma oder was --
      h\"atte dies total aufbauen k\"onnen. So, dann h\"atte er gute
      Aussichten gehabt, weil er es auf- und abgebaut h\"atte und
      die Firma h\"atte auch gute Aussichten gehabt, weil sie Anteile
      von ihm h\"atte.''

  \textit{Schulglocke. 20 Minuten Gespr\"ach muss beendet werden}

  L: ''Kommen wir zu einem Ergebnis?''

  F: ''Wir sind ja gestartet von der Frage, was ist gut und was ist
      b\"ose?''
 
  H: ''Es ist ganz einfach schwierig. Man kann dies nach verschiedenen
      Aspekten betrachten. Die Motivation, die Folge\ldots
      Nestl\'e hat zum Beispiel Milchpulver nach Afrika geschickt, damit
      die Kinder unten Milch trinken und gesund ern\"ahrt werden. Was
      ist passiert? Sie haben es mit verschmutztem Wasser gemischt und 
      sind daran gestorben, weil sie keine M\"oglichkeit hatten das Wasser
      zu kochen. Die gute Absicht war aber da.''
 
 \textit{Chaos}

  H: ''Ja, das ist die Frage. Ist das noch eine gute Handlung?''

  B: ''Ja!''

  F: ''Nein B, schau. H\"atten sie die Milch nicht runtergeschickt, w\"urden
      alle (oder halt 80\%) Kinder noch leben''
 
  B: ''Ja, ich wei"s, aber der Grundgedanke war gut''

  F: ''Aber z\"ahlt der Grundgedanke? Der Grundgedanke war gut, aber die 
      Handlung schlecht. Ist es nicht wichtig, dass die Handlung z\"ahlt?''

  B: ''Gute Handlung\ldots''

  L: ''Schlechte Folge\ldots''

 \textit{Fazit: Verschiedene Meinungen und Ratlosigkeit}
\end{quote}

\section{Sokrates Halbwissen als Weisheit}

\begin{quote}
  Die Politiker und die anderen ber\"uhmten Pers\"onlichkeiten Athens 
  (Dichter, Handwerker etc.) glauben, etwas Bestimmtes zu wissen, 
  obwohl sie es nicht wissen. Ich jedoch, wenn ich etwas nicht wei"s, 
  glaube auch nicht, es zu wissen. In diesem kleinen Punkt scheine ich 
  weise zu seinr als jene, n\"amlich dass ich von dem, was ich nicht 
  wei"s, auch nicht behaupte, es zu wissen
\end{quote}

Kurze Formulierung:

\begin{quote}
  Ich wei"s, dass ich nichts wei"s! 
\end{quote}

Sokrates erkannte durch das sokratische Gespr\"ach sehr schnell wie unsicher 
sicheres Wissen ist. Er war ein Mensch, der wei"s, dass es vieles gibt, was 
er nicht wei"s und dar\"uber bek\"ummert war. Jedoch wei"s er gegen"uber 
anderen, dass er nichts wei"s und ist deshalb ein St\"uck weiser als Andere, 
die mit ihrem Halbwissen prahlen.

\section{Elenktik}

Der Begriff bezeichnet die Methode des Fragen und Pr\"ufens. 
Es wird solange gefragt und \"uberlegt bis kein Widerspruch 
mehr auftritt und die These best\"atigt werden kann.

\section{Maieutik}

Die Maieutik ist ein p\"adagogisches Verfahren und besagt, dass das Wissen 
und die Wahrheit bereits im Mensch vorhanden ist. Fehler begehe der Mensch 
nur durch seine Unwissenheit. Deshalb empfiehlt die Maieutik den Philosoph 
als \textit{Geburtshelfer des Wissens} (siehe Beruf Sokrates' Mutter), der 
dem Mensch helfen muss das Wissen bewusst zu entdecken.

\section{Kritik an Sokrates und Sokrates' Tod}

\begin{quote}
  Wenn er schon alles sicher-Gewusstes in Frage stellt, ist dies 
  dann nicht Aufruhr gegen das \"Uberkommene?
\end{quote}
\begin{quote}
  Bringt er nicht durch diese zersetzenden Fragen die -- 
  ohnehin gef\"ahrdete -- Religion zum Einsturz?
\end{quote}

Durch seine Aktivit\"aten am Marktplatz wurde er anerkannt. Die Leute 
interessierten sich f\"ur seine Gespr\"ache und vor allem die Jugend 
(unter ihnen Platon) war immer bei ihm anzutreffen. Wenn er jedoch 
zugibt nichts zu wissen, wie kann er dann ein gutes Vorbild f\"ur 
die Jugend sein? Deshalb wurde Sokrates als \textit{Verderber der 
Jugend} kritisiert. In der Kom\"odie \textit{Die Wolken} von 
Aristophanes wurde er als vermeintilcher Sophist karikiert. 
Ihm wurde der Prozess gemacht. Die Anklagepunkte:

\begin{itemize}
\item Blasphemie (Gottesl\"asterung)
\item Verderbung der Jugend (als Unwissender kein Vorbild)
\end{itemize}

Vor Gericht argumentierte er wie am Marktplatz. Er stellt sich 
als untersuchender, nachfragender und neugieriger Mensch hin 
und hinterfragte Aussagen. Die Anklage wegen Verderbung der 
Jugend konnte er in einer langen Rede zur\"uckweisen und 
stellte Meletos blo"s dar. Den Vorschlag freizukommen und 
daf\"ur sein \"offentliches Philosophieren aufzugeben, 
akzeptierte Sokrates nicht. \\
Mit knapper Mehrheit (281 zu 501) wurde Sokrates zum Tode 
verurteilt. Seine Freunde boten ihm eine Fluchtm\"oglichkeit
an mit der er der Todesstrafe entkommen h\"atte k\"onnen, 
doch dies entsprach nicht seinem Sinn von Gerechtigkeit. 
Seine Thesen w\"aren nur dann als glaubw\"urdig anzusehen, 
wenn er auch zu ihnen stehe. Er k\"ampfte weiter, agierte 
jedoch ungeschickt, indem er eine Ehrenb\"urgerschaft 
(\textit{Speisung im Prytaneion}) forderte. 80 Stimmen mehr 
sprachen nun f\"ur seine Todesstrafe. Er akzeptierte das 
Urteil ausdr\"ucklich und machte klar, dass er keine Angst 
vor dem Tode habe. In den letzten Tagen seines Lebens 
philosophierte er noch \"uber den Tod und trank daraufhin 
den Schierlingsbecher.

\begin{quote}
  Aber schon ist es Zeit, dass wir gehen -- ich um zu sterben, 
  ihr um zu leben: wer aber von uns den besseren Weg beschreitet, 
  dass wei"s niemand, es sei denn der Gott
\end{quote}
\begin{quote}
  Man muss sich vor dem Tod ja nicht f\"urchten 
\end{quote}
\begin{quote}
  Der Tod kann ja auch Gl\"uck sein 
\end{quote}

\end{document}

